Beha, Dold und Wehrle - Schwarzwälder Uhrenhändler in England

Englisches Taschenuhrwerk mit freiem Spitzzahnankergang, Signatur von A. Furtwangler, London
Englisches Taschenuhrwerk mit freiem Spitzzahnankergang, Signatur von A. Furtwangler, London

Viele der Uhrenhändler die aus dem Schwarzwald auf die Britische Inseln zogen um reich zu werden hatten nicht nur Uhrenlager, von denen aus Sie im Umland die Uhren verkauften, sondern eröffneten Ladengeschäfte. Das Sortiment der Geschäfte umfasste die verschiedensten Großuhrarten wie Wand-, Stand- und Tischuhren, daneben gab es auch Taschenuhren und Schmuck. Viele der Groß- und Kleinuhren tragen auf den Zifferblättern die Namen der Schwarzwälder Händler und die Adresse des Ladengeschäftes. Die Rückverfolgung, woher aus dem Schwarzwald die Uhrenhändler kamen ist jedoch gar nicht so einfach. Man freut sich über die Signatur und stellt dann fest: Beha, Dold oder Wehrle gibt es einige. Einer der wichtigsten Artikel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die englische Taschenuhr mit der Spitzzahnhemmung. Angeboten wurden die Taschenuhren in unterschiedlichen Qualitäten, als Männer oder Frauen Uhren, in Silber- oder Goldgehäusen. In der Bildergalerie ist neben dem Taschenuhrwerk von A. Furtwangler auch der Zeigerstellschlüssel zu sehen. Dieses Uhrwerk wurde bereits über eine Aufzugskrone und nicht mehr mit dem Schlüssel aufgezogen. Zum Einstellen der Uhrzeit brauchte man aber noch den kleinen Vierkantschlüssel. Die Adresse auf dem Uhrwerk ist 115 Strand London, auf dem Uhrenschlüssel jedoch 165 Strand London. Es muss wohl ein Umzug des Geschäftes oder eine Neunummerierung in der Straße gegeben haben.


Beha, Lickert & Co. Reparaturpapierchen von Taschenuhren

Beha Lickert & Co, Reparaturpapier für eine Taschenuhr, Norwich 1861
Beha Lickert & Co, Reparaturpapier für eine Taschenuhr, Norwich 1861

Wenn eine Taschenuhr zur Reparatur kam, wurden die Reparaturzeichen (Datum, Ort und Name des Uhrmachers oder nur eine Reparaturnummer) in das Gehäuse oder auf das Uhrwerk eingeritzt. Eine elegantere Art war das Beilegepapierchen. Das konnte zwischen dem äußeren und inneren Gehäusedeckel in die Taschenuhr eingelegt werden. Auf der bedruckten Vorderseite stellt sich das Uhrengeschäft vor auf der Rückseite finden sich Vermerke zum Besitzer der Uhr sowie das Reparaturdatum. Einige dieser Papierchen haben sich erhalten und geben uns auch Zeugnis von den Schwarzwälder Uhrmachern in England. Auf der Rückseite des einzusehenden Papierchen von Beha, Lickert & Co ist zu lesen: Ellis Bury Kenninghall 11. November 1861. Den Rest kann ich noch nicht entschlüsseln.

 


Watch- and Clockmaker Kleyser in London

Leichenwagen-Gespann vor dem Uhrengeschäft Kleyser, Watch- and Clock Maker, 66. Borough High Street Southwark, London um 1890
Leichenwagen-Gespann vor dem Uhrengeschäft Kleyser, Watch- and Clock Maker, 66. Borough High Street Southwark, London um 1890

Der erste Blick fällt bei dem Foto sicherlich auf den festlich geschmückten Leichenwaagen aber, wenn man dann in die Häuserfront blickt, erkennt man rechts hinter dem Kutscher das Uhrengeschäft J. Kleyser. Die überlieferte Adresse des Hauses lautet 66. Borough High Street Southwark London. Das Gebäude an dieser Adresse ist jedoch nicht stimmig mit der historischen Aufnahme, wesshalb doch arge Zweifel an der Richtigkeit der zugeschriebenen Adresse angebracht sind.


Taschenuhren von Beha, Dold und Wehrle

Um einen Eindruck zu vermittel, wieviele Schwarzwälder in England und dort gerade in London Handel mit Taschenuhren trieben, sind in der Fotogallerie verschiedenste Taschenuhrwerke mit den Händersignaturen zusammengestellt.


Ticke-Tacke -Ticke-Tacke .....

Das Taschenuhrwerk mit Englischer Spitzzahnhemmung in Aktion. Zu sehen ist das Uhrwerk der Handelsfirma Kammerer & Co. Ein Foto befindet sich weiter unten in der Sammlung von Taschenuhrwerken von Schwarzwaldengländern.


Die Lagersteine

Lagersteine, für technische Geräte wie z.B. Uhren oder Wasserzähler

Die Anzahl der Lagerseine ist, wie die Art der eingebauten Hemmung, ein Kriterium für die Qualität der Uhr. Sie verringern die Zapfenreibung, die Abnutzung der Zapfen und erhöhen den Wirkungsgrad. Neben diesen technischen Vorteilen sind die Lagersteine oft auch bewusst gestalterisch eingesetzt. Der synthetisch hergestellte Kristall erhält geringe Beimengungen von Metallen z.B. Chrom oder Eisen die unterschliedliche Farben erzeugen. Die drei häufigsten Varianten sind: durchsichtig, rot (Rubin), blau (Saphir)

Die Steine können gefasst sein, ähnlich wie beim Fassen von Edelsteinen wo Material an den Stein gedrückt wird oder mit 0,005mm Übermaß eingepresst, was zu einer kraftschlüssigen Verbindung führt.

Auf dem Foto zu sehen sind rubinrote Lagerseine zum Einpressen. Hergestellt im Schwarzwald um 1970 (Aussendurchmesser 1,60mm). Lagersteine werden auch heute noch in Uhren eingebaut, finden sich aber auch in vielen anderen technischen Geräten wie z.B. in Wasserzählern.


Der Uhrenschlüssel als Werbung

Taschenuhrenschlüssel A. Siedle in Swansea

Nicht nur die Taschenuhren selbst wurden mit den Uhrmacher- oder Händlernamen versehen, auch der Uhrenschlüssel, der bis Ende des 19. Jahrundert noch üblich war, war Werbeträger.

 

Es scheint zwei typische Formen zu geben. Einmal die Runde mit Loch und zum anderen die Kartuschenform.