Kulturerbe Deutschland:              die Wanderschaft (Walz) der Handwerksgesellen

Immaterielles Kulturerbe Deutschland

Gruß von der Walz, Postkarte um 1920
Gruß von der Walz, Postkarte um 1920

Seit 2014 ist die Wanderschaft der Handwerksgesellen in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands eingetragen. Wollte früher ein Handwerksgeselle nach seiner Lehrzeit auf Wanderschaft gehen, so brauchte er ein Wanderbuch. Das Wanderbuch war ein offizielles Dokument und wurde von einer Regierungsbehörde und später von den Handwerksverbänden gegen eine Gebühr ausgehändigt. Die alten Wanderbücher beinhalten unter anderem auch den für das Umherziehen benötigte Reisepass. Heute wird die Wanderschaft oft mit dem Handwerksgesellen des Baugewerbes, besonders den Zimmermännern, verbunden. Auf dieser Seite werden Wanderbücher unterschiedlichster Handwerker aus den verschiedenen Reichsstaaten des 19. Jahrhunderts zum Selbststudium zur Verfügung gestellt. Die Wanderbücher sind Chronologisch eingeordnet. Die Wanderbücher befinden sich auf meiner Seite zum Schwarzwald, weil das erste in meiner Sammlung das Wanderbuch des Uhrmachers Bilharz aus Kenzingen war. Um die Wanderschaft, heute mit vielen hübschen Geschichtle verklärt, besser zu verstehen, sind die Wanderbücher hervorragende Primärquellen.

Überblick der weiter unten einzusehenden Wanderbücher

  • Chirurg und Barbier, Friedrich Benther von Marcksuhl, Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1818
  • Seifensieder, Johan Carl Naumann von Richzenhain bei Waldheim, Königreich Sachsen, 1819-1822
  • Bäcker, Franz Maier Brehme aus Gera, Fürstlich Reuß-Plauische Handwerks-Commission, 1839-41
  • Uhrmacher, Georg Bilharz aus Kenzingen, Großherzogtum Baden, 1850-51
  • Färber, Michael Maier aus Floß in der Oberpfalz, Königreich Bayern, 1859-1869
  • Böttcher, Heinrich Reinebeck aus Gifhorn, Königreich Hannover, 1865

Das Betteln während der Wanderschaft

Das Betteln während der Wanderschaft betreffender Brief aus Eberbach nach Gochsheim (Amt Bretten), 1842
Das Betteln während der Wanderschaft betreffender Brief aus Eberbach nach Gochsheim (Amt Bretten), 1842

Der nebenstehende Brief ist ein Zeugnis davon, was einem Handwerksgesellen droht, wenn er beim Betteln während der Wanderschaft erwischt wird, denn das Betteln war verboten. Aus den 15 Kreuzer Bettelgebühr, die der Geselle Jakob Schelling der Stadt Eberbach scheinbar nicht zahlen konnte, wurden mit all den Postgebühren 27 Kreuzer die seine Heimatstadt Gochheim bezahlen musste.

Folgend ist der Brief umgeschrieben für alle, welche die Schrift nicht gut lesen können:

 

"Bettelgebür Jakob Schelling

Das Großherzogliche Bürgermeisteramt Eberbach an jenes in Gochsheim (Amt Bretten)

Jokob Schelling von dort wurde heute hier auf dem Bettel Antroffen, mit Arrest belegt, aus der Stadt gewiesen, Notifikation hirvon in sein Wanderbuch gemacht, und die Gebühr mit 15 Kr aus der Stadtkasse vorschüßlich bezalt. Man stellt nun das dienstfreundschaftliche Gesuch um Ersatz des obigen Betrags, der auf der Post in dessen nachgenommen wurde.

Eberbach den 8ten Merz 1842"


Chirurg und Barbier Wanderbuch 1818

GrossHerzoglich Sächsisches (Weimar-Eisenach) Wanderbuch des chirurggesellen Friedrich Benther von Marksuhl

Wanderbuch des Handwerksgesellen Friedrich Benther von Marcksuhl, Chirurg und Barbier, Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1818
Wanderbuch des Handwerksgesellen Friedrich Benther von Marcksuhl, Chirurg und Barbier, Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach 1818

Frühes Wanderbuch für den Chirurggesellen Friedrich Benther aus Marcksuhl, heute ohne ck geschrieben. Das Wanderbuch beinhaltet das Zeugnis des Lehrmeisters und eine gestochene Ansicht der Wartburg. Die leeren Seiten sind nicht veröffentlicht.


Seifensieder Wanderbuch 1819-1821

Königlich sächisches Wanderbuch des Seifensiedergesellen Johan Carl Neumann von Richzenhain bei Waldheim

Wanderbuch des Seifensiedergesellen Johan Carl Naumann von Richzenhain bei Waldheim, Königreich Sachen  1819-1822
Wanderbuch des Seifensiedergesellen Johan Carl Naumann von Richzenhain bei Waldheim, Königreich Sachen 1819-1821

Das Wanderbuch ist mit 64 Seiten vollständig. Die leeren Seiten sind nicht veröffentlicht.


Bäcker Wanderbuch 1838-41

Fürstlich Reuß-Plauische Handwerks-commisions Wanderbuch des Bäckergesellen Franz Maier Brehme aus Gera

Wanderbuch des Bäckergeselle Fanz Maier Brehme, Gera 1838
Wanderbuch des Bäckergeselle Fanz Maier Brehme, Gera 1838

Das Wanderbuch beinhaltet auch das Zeugnis des Lehrmeisters und eine Stadtansicht von Gera.


Uhrmacher Wanderbuch 1850-1851

Großherzoglich Badisches Wanderbuch des Uhrmachergesellen Georg Bilharz aus Kenzingen

Der Reisepass für das In- und Ausland aus dem Wanderbuch des Uhrmachergesellen Georg Bilharz aus Kenzingen im Großherzogtum Baden
Der Reisepass für das In- und Ausland aus dem Wanderbuch des Uhrmachergesellen Georg Bilharz aus Kenzingen im Großherzogtum Baden

Das Wanderbuch des Georg Bilharz enthält einen Reisepass für das In- und Ausland. Des Weiteren sind Belehrungen abgedruckt an die sich der Handwerksgeselle während der Wanderschaft halten musste. Auf den Seiten 12 bis 19 sind die verschiedenen Visa eingetragen mit deren Hilfe man die Wanderschaft des Uhrmachergesellen nachvollziehen kann. Das Wanderbuch ist als solches mit 64 Seiten komplett. Es fehlt mir allerdings die Verlängerung des Reisepasses ab dem 1. September 1850 bis 1851 und die Bestätigung des Lehrmeisters für die Ausbildungszeit. Das Uhrmacherhandwerk ist seit 2021 ebenfalls in die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands aufgenommen. Somit ist das Wanderbuch des Uhrmachers doppeltes Zeugnis für UNESCO-Welterbe.


Färber Arbeitsbuch 1859-1869

Königlich Baierisches Arbeitsbuch des Färbergesellen Michaeil Maier aus Floß

Arbeits- und Wanderbuch des Färbers Michael Maier aus Floß (Oberpfalz)
Arbeits- und Wanderbuch des Färbers Michael Maier aus Floß (Oberpfalz)

Das Königlich Bayerische Arbeitsbuch beinhaltet Lehrbrief, Wanderbuch, Reisepass und Arbeitszeugnisse in einem. Das gesamte Arbeitsleben des Färbergesellen kann somit nachvollzogen werden. Der Reisepass für das Inn- und Ausland schließt Reisen in die Schweiz und nach Frankreich aus. Dem Arbeitsbuch ist ein zusätzliches Arbeitszeugnis von 1869 beigelegt. Das Arbeitsbuch ist somit mehr als die Wanderbücher wie sie auf dieser Seite vorgestellt werden.


Böttcher Wanderbuch 1865

Königreich Hannover, Wanderbuch des Böttchergesellen Heinrich Reinebeck aus Gifhorn

Wanderbuch des Böttchergeselle Heinrich Reinebeck aus Gifhorn, Königreich Hannover 1865
Wanderbuch des Böttchergeselle Heinrich Reinebeck aus Gifhorn, Königreich Hannover 1865

Das Wanderbuch des Königreichs Hannover ist mit 16 Blättern (32 Seiten) recht dünn gegenüber den anderen mit oft doppelt so vielen Seiten. Die Blätter sind nicht versiegelt, dafür sind aber alle Seiten mit einem Hintergrundsmuster bedruckt.