
Als Surrer wird eine Uhrwerksvariante bezeichnet, bei der das Schlagwerk der Uhr beliebig oft ausgelöst werden kann, bis das Gewicht auf dem Boden aufsteht, man sagt auch Repetieren dazu. Das Geräusch, das beim Ablaufen des Schlagwerkes entsteht, das Surren, gab diesen Uhren ihren Namen. Da sich das Hebstiftenrad bei jeder Schlagauslösung, egal ob beim Einuhrschlag oder bei Dreiviertel Zwölf, einmal komplett herum dreht, ist das entstehende Geräusch deutlich lauter und länger als bei einer einfachen Schlaguhr und damit auch charakteristisch für diese Uhren. Beim Uhrwerk eines Surrers fallen einem gleich die vielen Hebel, die zusätzlichen Räder und die zwei Glocken bzw. Tonfedern ins Auge. Typisch für den Schwarzwälder Surrer sind:
Ich betrachte auf dieser Seite nur die schwarzwälder Surrer in traditioneller Bauweise, mit zwischen Holzplatinen gelagerten Zahnräder. Es gibt die Surrer meist mit 12-stündiger und 24-stündiger Gangdauer, mit unterschiedlichen Werkgrößen. Der Surrer ist keine nur im Schwarzwald vorkommende Konstruktion des Schlagwerkes mit Repetierung aber im Schwarzwald wurde es schon zum Ende des 18. Jahrhunderts und über eine sehr lange Zeit, bis in das 20. Jahrhundert, in großer Stückzahl gefertigt.
24-stündige Uhr mit Surr-Schlagwerk auf Tonfeder und Wecker, Schwarzwald um 1900. Hersteller unbekannt (nicht singiert).
Eine Sammlung von vier Surrer-Werken aus Italien geben einen Einblick in die Surr-Uhren in Schottengröße (Mittlerer-Größe).

Wenn man sich mit den schwarzwälder Uhren beschäftigt, darf man sich immer wieder die Frage stellen, für wen hat der Schwarzwald die Uhren gebaut. Es gibt Bauarten und Gestalltungsmerkmale die überwiegend für eine Region produziert wurden. Eine solche typische Uhrensorte will ich hier vorstellen. Es handelt sich um die scharzwälder Surr-Uhren in Schottenwerkgröße mit Wecker. Die hölzernen Uhrenschilde sind mit geschwärztem Furnier, Einlegearbeiten und Emaile-Schild verziert. Ich konnte bis jetzt fünf solcher Uhren dokumentieren und alle wurden auf Auktionen in Italien verkauft. Die zwei Uhren auf dem Foto habe ich in Brugherio bzw. Cerveteri gekauft. Zwei weitere wurden in Rom in einem Auktionshaus angeboten und versteigert. Diese tauchten dann auch im gleichen Jahr auf der Antik-Uhrenbörse in Furtwangen wieder auf. Ich habe sie nicht gekauft. Auf der Uhrenbörse in Eisenbach (2026) konnte ich zwei fragmentarisch erhaltene Uhrwerke kaufen. Die augenscheinlich, zu diesen Uhren gehören. Eines davon tägt ein Händlerschild aus Italien. Das war der Grund für mich, diese Werke überhaupt zu kaufen. Diese zwei Werke stelle ich weiter unten genauer vor. Bis heute konnte ich noch keinen Hersteller ausfindig machen, da keine der Uhren eine Uhrmachersignatur trägt.
Typisches Merkmal der Uhren ist auch, dass die Seitentürchen, die Rückwand, der Deckel und der Boden geschwärtzt sind. Damit sind alle sichtbaren Oberfächen an der Uhr schwarz und die Einlegearbeiten und das Zifferblatt heben sich optisch deutlich ab. Die Furniereinlagen bestehen aus Messing, Zinn und eingefärbten Lack in unterschiedlichsten Kombinationen.
Die Uhr ist noch sehr gut erhalten. Es fehlen die Seitentüren und das Pendel. Die Rückwand, der Gestelldeckel und Boden wurde direkt schwarz lackiert.
Das Surrer-Uhrwerk ist sehr schlecht erhalten. Viele Teile fehlen und das Holz zeigt schon größere Schäden. Der Gestelldeckel und Boden sind nicht direkt schwarz lackiert, sondern ein Schwarzes Papier ist aufgezogen.
Dieses Surrer-Werk besitzt eine andere Konstruktion. Sowohl im Geh- als auch im Schlagwerk ist ein Zahnrad weniger verbaut. Im Gegensatz zu den anderen Werken, ist hier auch kein zusätzlicher Wecker montiert. Auf der Rückseite befindet sich das Händleretiket, das den Nachweis erbringt, dass die Uhr in Italien verkauft wurde. Das Uhrwerk hat sich nicht vollständig erhalten, aber wegen dem Händleretiket habe ich es in die Sammlung aufgenommen. Gekauft habe ich es mit dem Fragment des Surreruhrwerks Nr. 2, auf der Uhrenbörse in Eisenbach.
