Fidel Hepting, schildermaler in furtwangen (Schwarzwald)

Fidel Hepting war Schildermaler in Furtwangen. Seine Uhrenschilder für die gewöhnlichen Schwarzwalduhren gehöhren zu den prächtigsten die im Schwarzwald hergestellt wurden. Bis jetzt kann ich mit Quellen seine Tätigkeit von 1845 bis 1859 nachweisen. Im Adresskalender für das Großherzogtum Baden von 1858 sind für Furtwangen zehn Schildermaler aufgeführt doch Fidel Hepting befindet sich nicht darunter. Er wird im Adresskalender als Schildvergolder bezeichnet. Fidel Hepting gehört zu den Schildermalern die gerne ihre Schilder signierten und uns heute damit eine Zuordnung ermöglichen. Auf dieser Seite werde ich einige seiner vergoldeten Schilder näher vorstellen.


Goldenes Uhreschild, Fidel Hepting um 1830

Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1830
Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1830

Die erste Schwarzwalduhr die auf dieser Seite vorgestellt wird hat ein goldenes Schild das sich mit seinem Aufbau und den Verzierungen sehr nah an einige Comtoise Uhrenschilder anlehnt. Bei den Comtoise-Uhren, eine Uhrensorte die in Frankreich im 18. und hauptsächlich im 19. Jahrundert hergestellt wurde, ist das Schild aus geprägtem Messingblech. Fidel Hepting hat für die Herstellung der plastischen Verzierungen Modeln genutzt. Die fertigen Verzierungselemente wurden nach dem Abformen auf das Holzschild aufgeklebt, mit einer silbernen Folie belegt und abschließend goldig, rot und grün gelüstert. Das eigentliche Zifferblatt ist in der klassischen Lackschildmaltechnik, mit poliertem weißen Grund und aufgemalten schwarzen Ziffern, hergestellt.

 

Signaturen:

Schild: Fidel Hepting (Furtwangen)

Uhrwerk: Lorenz Fehrenbach (Neukirch)

Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1830, goldenes Uhrenschild
Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1830, goldenes Uhrenschild

Das goldene Schild ist in der Gegenüberstellung einmal mit eher seitlichem Licht (links) und das andere mal mit frontalem Licht (rechts) fotografiert. Damit will ich ein wenig den Eindruck von der noch heute glänzenden Goldoberfläche vermitteln.

 

Maße:

Höhe: 39cm

Breite: 26cm

Dicke: am Rand ca. 8mm; in der Mitte 15mm

Fidel Heptings Lackschild in Streiflichtaufnahmen

Schwarzwälder Schilderuhr, Fidel Hepting, Furtwangen um 1830, Streiflichtaufnahme
Schwarzwälder Schilderuhr, Fidel Hepting, Furtwangen um 1830, Streiflichtaufnahme

Durch das Streiflicht wird ein scharfer Schlagschatten erzeugt der die Plastizität der Oberfläche bei den Fotos sehr gut sichtbar macht. Bei einer gleichmäßigen Ausleuchtung, was zur Dokumentation der Objekte oft die richtige Wahl ist, entstehen kaum Schatten und die Plastizität ist nur schwer erkennbar.

Das Schwarzwälder Uhrwerk

8-Tage Uhrwerk, Lorenz Fehrenbach Furtwangen (Schwarzwald)
8-Tage Uhrwerk, Lorenz Fehrenbach Furtwangen (Schwarzwald)

Uhrmacher: Lorenz Fehrenbach aus Neukirch

8-Tage Werk, in Holz gespindelt, halbstündlich Schlag auf Tonfeder, Ankerübergriff 5 1/2 Zähne

Materialien: Gestell (Buchenholz), Wellen (Ahorn bronziert), Räderwerk (Messing)

Maße (Ohne Rückwand)

Höhe: 20,5 cm

Breite: 18,5cm:

Tiefe: 14,9cm


Exkurs: Pressbrokat

Pressbrokat, Musterplatte von Matthias Hüttlin
Pressbrokat, Musterplatte von Matthias Hüttlin

Durch Vergoldungstechniken werden unterschiedlichste Stofflichkeiten nachgeahmt die oft den Eindruck vermitteln wollen als bestünden die vergoldeten Bereiche an den Objekten nicht aus Holz, wie im Falle der hier vorgestellten Lackschilder, sondern aus Gold. Um auf Tafelgemälden, Altären und Skulpturen sich wiederholende Oberflächenmuster einfacher und schneller herzustellen, bediente man sich schon seit dem Mittelalter der Technik des Pressbrokat. Mit ihm wurden gerne Kleidung aus Brokatstoff nachgeahmt in den Metallfäden z.B. aus Gold und Silber eingewebt sind. In ein Model aus Holz, Stein, Alabaster usw. wird das Muster des Rapports negativ eingraviert, dann eine Zinnfolie darübergelegt und hineingepresst. Wieder abgezogen zeichnet sich nun das Muster erhaben vom Grund ab. Mit einer Kitt- und Klebemasse wird die Zinnfolie sodann auf den Grund aufgeklebt. Durch das sich wiederholende Muster können die Folien nebeneinander platziert werden bis die gewünschte Fläche ausgestaltet ist. Danach erfolgt die Vergoldung und Bemalung.

 

 


Vergoldetes Uhrenschild, Fidel Hepting um 1850

Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1850
Lackschilduhr, Fidel Hepting Schildermaler in Furtwangen (Schwarzwald), um 1850

Bei diesem Uhrenschild bediente sich Fidel Hepting aus den klassischen Vergoldungstechniken die auf hölzernen Grund Anwendung fanden. Auf den vorbereiteten Grund, das Holzbrett mit Kreidegrund, wurden die erhabenen Ornamente und der sonstige Zierrat wie die Musikinstrumente aus einer Kreide-Leim Mischung auf modelliert und nach dem trocknen nachgraviert. Dann wurden Metallfolien aufgebracht, Gold und Silber, die vergoldete Bereiche poliert, die versilberten Bereiche gelüstert und der Schildergrund rot ausgemalt. Das eigentliche Zifferblatt ist in der üblichen Lackschildtechnik aufgebaut.

 

 

Signaturen:

Schild: Fidel Hepting

Uhrwerk: Isidor Dorer (Furtwangen, Katzensteig)

Händler: Grégoire Faller a Fontenay (Frankreich)

Lackschilduhr Fidel Hepting, Furtwangen im Schwarzwald, um 1850, Bekrönung
Lackschilduhr Fidel Hepting, Furtwangen im Schwarzwald, um 1850, Bekrönung

Das vergoldete Uhrenschild von Fidel Heptig

Maße:

Höhe: 38cm

Breite: 26cm

Das Lackschild in Streiflichtaufnahmen

Lackschilduhr Fidel Hepting, Furtwangen im Schwarzwald, um 1850, Streiflichtaufnahme
Lackschilduhr Fidel Hepting, Furtwangen im Schwarzwald, um 1850, Streiflichtaufnahme

Auch bei diesem Schild soll durch die Streiflichtaufnahmen die Plastizität der ausgeformten Ornamente und Musikinstrumente besser zur Geltung gebracht werden.

Das Schwarzwälder Uhrwerk

8 Tage Uhrwerk von Isidor Dorer aus Furtwangen Katzensteig (Schwarzwald), um 1850
8 Tage Uhrwerk von Isidor Dorer aus Furtwangen Katzensteig (Schwarzwald), um 1850

Uhrmacher: Isidor Dorer aus dem Katzensteig bei Furtwangen

8-Tage Werk, in Holz gespindelt, halbstündlich Schlag auf Tonfeder, Ankerübergriff 6 1/2 Zähne

Materialien: Gestell (Buchenholz), Wellen (Ahorn bronziert), Räderwerk (Messing)

Maße (Ohne Rückwand)

Höhe: 21cm

Breite: 17,2cm

Tiefe: 14,5cm


Exkurs: Blechschilder

Postkarte vom 10.03.1874 an die Blechlakierfabrik Dold & Hettich in Furtwangen
Postkarte vom 10.03.1874 an die Blechlakierfabrik Dold & Hettich in Furtwangen

Ab den 1850ger Jahren werden im Schwarzwald im großen Maßstab mit Drucken beklebte Bleche als Uhrenschilde verwendet. Die Lackschildmalerei, wie sie auch Fidel Hepting betreibt, bekommt dadurch und durch viele andere Neuerungen wie z.B. das Porzellanschild immer mehr Konkurrenz und ich meine ab den 1860ger Jahren ist die große Zeit der Lackschildmaler vorbei. Geendet hat sie nie, auch heute noch kann man Lackschilduhren kaufen. Auf dem Foto ist eine frühe Postkarte vom 10.03.1874 (Einführung der Postkarte mit aufgedruckter Briefmarke, sogenannte Ganzsache, war im Deutschen Reich am 1. Januar 1873) an die Blechlakierfabrik Dold und Hettich in Furtwangen zu sehen.

 

an:

Herrn Dold & Hettich in Furtwangen badischer Schwarzwald

"Ich pressire Hauptsächlich auf bestellte Blechgemälde & Zifferblätter ["..."] & bitte Sie mir diese beiben Artikel sofort bei Ansicht Dieß per Eilgut zugehen zu lassen. Achtungsvoll ["..."]

 


Quellen:

  1.  gibts im Katzesteig (Donau, Breg und Elz)