Die Schwarzwälder Lackschilduhr

Lackschilduhr von Uhrmacher Fidel Fürderer aus Linach, Schwarzwald um 1860
Lackschilduhr von Uhrmacher Fidel Fürderer aus Linach, Schwarzwald um 1860

Der Schildmaler oder Lackschildmaler war der hausgewerbliche Beruf im Schwarzwald der Holzbrettle bunt bemalte und sie mit Zahlen versah bevor sie dann als Zifferblatt an das Uhrwerk montiert wurden. Er ist es auch, der durch seine Bemalung der billigen Schwarzwälder Uhr die Attraktivität gab um sie in der ganzen Welt zu verkaufen. Von ca. 1800 bis ca. 1870 war die Glanzzeit dieses Gewerbes. Danach nahm, wegen neuer technologischen Verfahren um die Schilder zu verzieren und neuer Uhrenformen, die Bedeutung dieses Berufes immer mehr ab. Farbenfroh und mit einer Leichtigkeit die heute kaum noch zu erreichen ist, sind die Schilder mit Mustern, Säulen, Architektur, Blumen, Früchten, Tieren und figürlichen Szenen bemalt.

Vom Schildermaler Signierte Lackschilder


Die Schwarzwälder Lackschilduhr für Frankreich

Lackschilduhr, S. Gantner a L'absie, um 1860
Lackschilduhr, S. Gantner a L'absie, um 1860

In manchen Regionen signierte der Uhrenhändler gerne mit seinem Namen und Adresse auf den Lacksschilder. So ist es heute noch möglich, die Lackschilduhren den Ländern zuzuordnen in denen sie verkauft wurden. Zwei herausragende Länder in denen gerne und viel signiert wurde waren Frankreich und England. Für beide dieser Länder sollen eine Auswahl an Lackschilduhren ein Einblick geben in die Vorlieben für die jeweilige Schildergestaltung.


Das Rechteckige Lackschild

Lackschilduhr mit rechteckigem Schild, Schwarzwald um 1870
Lackschilduhr mit rechteckigem Schild, Schwarzwald um 1870

Eine eher seltene Variante des Lackschildes ist das Rechteckige. Bei den wenigen Schildern die ich bis jetzt gesehen habe, war immer ein Gebäude mit Hügeln und Bäumen über dem Ziffernring aufgemalt. Der Leistenrahmen ist auf das Lackschild aufgenagelt. Uhrmacher und Schildermaler sind nicht bekannt. Anhand der Maltechnik und des Leistenrahmen dürfte die Uhr um 1860 bis 1890 hergestellt worden sein.

 

Maße Schild:

Höhe: 22,5 cm

Breite: 18,5 cm


Dr. Adolph Poppe: Die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach ihrem Stand im Jahre 1838

Kupfertalfel zu Adolph Poppe, Die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach Ihrem Stand im Jahre 1838
Kupfertalfel zu Adolph Poppe, Die Schwarzwälder Uhrenindustrie nach Ihrem Stand im Jahre 1838

Die bedeutendste zeitgenössische Quelle zur Lackschildmalerei im 19. Jahrhundert, ist die Abhandlung von Adolph Poppe, Lehrer der Technologie und Mathematik in Frankfurt am Main, zur Schwarzwälder Uhrmacherei aus dem Jahre 1838. Veröffentlicht wurde seine Abhandlung in drei Abschnitten in Dr. Johann Gottfried Dingler`s: "Polytechnisches Journal"; fünfunsiebenzigster Band; Jahrgang 1840; Heft 4 und 5. Auf der zugehörigen Kupfertafel werden die Maschinen und Werkzeuge der Schwarzwälder Uhrmacher detailgetreu wiedergegeben.

 

Für den interessierten Leser ist die gesamte Abhandlung von Dr. Adolph Poppe auf einer eigens eingerichteten Webseite veröffentlicht. Durch einen Klick auf die Titelseite des Polytechnischen Journals gelangen Sie direkt dorthin.


Ein herausragender Schildermaler

Fidel Hepting aus Furtwangen war ein herausragender Schidermaler. Ich habe für Ihn eine eigene Seite eingerichtet. Mit einem Klick auf das Foto gelangen Sie direkt zur Seite: Fidel Hepting


Schildmaler A. Mayer in St. Georgen

Bestellung von 16 Lackschildern beim Schildmaler A. Maier in St. Georgen, Postkarte 1879
Bestellung von 16 Lackschildern beim Schildmaler A. Maier in St. Georgen, Postkarte 1879

Am 7. Dezember 1879 bestellte der Schramberger F. Brunenkant (Württemberg) beim Schildmaler A. Mayer in St. Georgen (Baden) 16 Uhrenschilder. Welchen Beruf F. Brunenkant ausübte konnte ich noch nicht herausfinden. Das interessante an der Bestellung ist, dass er auch die gewünschten Motive, nämlich Landschaften, mit angibt.

Auf der Textseite ist zu lesen:

"Senden Sie mit wendung der Post

12 St Holzschild 6" Landschaften

2 St Holzschild 8"

2 St Holzschild 9"

Achtungsvoll F. Brunenkant"

Beispielhaft sei eine Zeile ausgeschrieben:"12 Stück Holzschilder Größe 6 Zoll mit Landschaften"

 


Spruchtafel vom schwarzwälder schildermaler

Spruchtafel, Schwarzwald um 1840
Spruchtafel, Schwarzwald um 1840

Neben den Uhrenschildern haben die Schildermaler auch Ziertafeln z.B. Hochzeitstafeln, mit den Daten der Eheleuten, oder, wie hier beispielhaft zu sehen, Spruchtalfeln angefertig. Der Platz ist auf diesen Tafeln nicht so beengt wie auf den Uhrenschildern und ich habe manchmal den Eindruck, hier konnten sich die Schildermaler austoben und zeigen was sie konnten. Zwei reich gestaltete Blumenbuketts flankieren den Tafelspruch. Wer sie genauer betrachtet kann eine Hülle und Fülle von einer sich scheinbar nie wiederholenden Blütenvielfallt entdecken.