Samuel Heim und die Gämsenjagd

Die Gämsenjagd, Rahmenuhr aus Furtwangen im Schwarzwald

In den 1850er Jahren entstanden im Schwarzwald viele neue Ideen, um die Uhrmacherei in neue Höhen zu heben. Diese Rahmenuhr ist ein Kind dieser Zeit. Entstanden um 1860, ist das Uhrenschild kein Lackschild, sondern ein auf Blech gemaltes Ölgemälde. Ein schwarzer, hochglanzpolierter Rahmen mit schmaler Goldkante lenkt den Blick auf ein Ölgemälde, in dem gleichgwichtig, oberhalb der Bildmitte, das Zifferblatt wie der Vollmond im Himmel steht. Durch dieses entrücken des Zifferblattes aus der Mitte in den oberen Teil des Uhrenschildes entsteht der Platz für den Hauptteil des Gemäldes: Die Gemsjagd. (ab jetzt mit e)

Hinter dem Zifferblatt montiert ist die neue Innovation aus Furtwangen, Federzugwerk mit 8 Tage Gangdauer, Messingplatinen und Massivtrieben vom Uhrmacher Salomon Heim (Furtwangen).

Der Schildermaler ist unbekannt.


uhrenmacher Samuel Heim

Federzugwerk von Samuel Heim (Furtwangen um 1860)

Samuel Heim war um 1860 Zugfederuhrenmacher in Furtwangen. Seine Ausbildung hat er wohl nicht an der Uhrmacherschule Furtwangen genossen, denn er wird nicht als Lehrling aufgeführt.

 

Das Uhrwerk:

  • Hakengang mit Massivanker über 3 Zähne
  • Massivtriebe
  • fliegendes Federhaus
  • Gangdauer 8 Tage
  • innenliegendes Schlossrad
  • Halbstundenschlag
  • Messing Vollplatinen
  • Fadenaufhängung des Pendels
  • keine Stellung oder Schnecke

Jakob Kleiser aus Schollach

Als Fragment hat sich dieses 8-Tage Zugfederuhrwerk von Jakob Kleiser aus Schollach erhalten. Jakob Kleiser wird im Schwarzwälder Adresskalender von 1860 als Zugfederuhrenmacher in Schollach aufgeführt. Die Entstehungszeit dürfte auch um 1860 liegen. Erhalten hat sich nur das fragmentarische Uhrwerk. Es fehlen Stunden- und Minutenrad. Der Warnungsarm ist abgebrochen. Im Vergleich zum oben vorgestellten Uhrwerk von Samuel Heim hat dieses Uhrwerk:

  • feststehende Federhäuser
  • Stellungen für Geh- und Schlagwerk
  • Pendelfeder
  • keine Einstellmöglichkeit für den Eingriff des Ankerhakens in das Steigrad
  • Ankerübergriff 4 Zähne
  • Schlossrad auf der Rückseite

 


Der Gemsjäger

Detail des Uhrenschildes,  der Gemsenjäger

Mitte des 19. Jahrhunderts ist es nicht mehr die Herrschaft, die ins Gebirge zieht, um Gemsen zu jagen:

"Wenn etwa ein Verehrer der gewöhnlichen noblen Passion mit den Gemsenjägern in`s Hochgebirge geht, so steht er zwichen Schlund und Eis mit seinem gewichsten Barte wie ein armseliger Stümper da und merkt bald, daß die Gemsenjagd keine Sache für ihn ist. Die rechten Gemsenjäger gehören der weniger bemittelten Klasse an; es sind zähe, höchst genügsame, wetterfeste Leute, vertraut mit den Details der Gebirgsmassen [...]. Der Jäger bedarf eines scharfen Gesichtes, eines schwindelfreien Kopfes, eines abgehärteten Körpers, der die Unbilden der Eisregionen wohl zu ertragen vermag, eines kühnen und dabei doch äußerst kühlen Muthes, eines umsichtigen, schnell berechnenden Vertandes, und zudem einer guten Lunge und ausdauernden Gliederkraft." (Quelle 1, S.121)

In dieser Beschreibung des Gemsjägers mag sich auch der ein oder andere Schwarzwaldwälder, im nachrevolutionären Baden der 1850er Jahre, wiedererkannt haben.


Erinnerungen 1851

Die Gemsenjagd aus Erinnerungen 1851, Lithograpie von F. Zelmaka
Die Gemsenjagd, Lithograpie von F. Zelmaka, Prag 1851, (Quelle 1, S. 120)

Welche Vorlage dem Schwarzwälder Schildermaler gedient hat, die Gemsenjagd so wieder zu geben,  kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Die nachfolgenden drei Graphiken aus der Zeit um 1850 sollen einen Einblick in die reichhaltige Quellenlage geben.

 

Lithographierte Abbildung aus dem Bericht "Die Gemsenjagd", erschienen in: "Erinnerungen an merkwürdige Gegenstände und Begebenheiten", Prag 1851 (Quelle 1, S.120).

 

 


Die Mühseligkeit der Gemsenjagd

Die Gemsenjagd, Lithographie um 1850
Die Gemsenjagd, Lithographie (106. XVIII. 8.), um 1850, unbekannte Herkunft

"Obwohl eine Gemse an sich keinen großen Wert hat, [...] ist sie dennoch Gegenstand einer Jagd geworden, die an Mühseligkeiten und Gefahr alle anderen übertrifft, und von den Alpenbewohnern mit der größten Leidenschaftlichkeit betrieben wird, obwol nur wenig Gemsenjäger eines natürlichen Todes sterben, mit unverstümmelten Gliedern aus der Welt gehen, oder ohne Krüppel zu werden, ein höheres Alter erreichen." (Quelle 2, S.105)


Das Buch der Welt 1851

Die Gemsenjagd aus "Das Buch der Welt", Stuttgart 1851
Graphik Nr. 1851/14, aus:"Das Buch der Welt", Stuttgart 1851, (Quelle 2)

"Die Gemse", so heißt der Beitrag in Carl Hoffmann`s: "Das Buch der Welt, 1851" (Quelle 2, S. 104-107) zu dem diese kolorierte Graphik mit veröffentlicht wurde.

 

"Hat er nun ein Rudel Gemsen auf der Weide, oder deren ziegenartige Fährten entdeckt, so wartet er ruhig hinter einem Felsstücke ab, ob sie sich von der Weide in das Gebirge zurückziehen, wo er ihnen den Weg abschneidet, und aus seinem verborgenen Hinterhalte mit kaltem Blute eine hinwegzuschießen trachtet [...]." (Quelle 2, S. 105)


Quellen:

  1. Medau, Carl Wilhelm:"Erinnerungen an merkwürdige Gegenstände und Begebenheiten, verbunden mit Novellen, Humoresken, Sagen und einem zeithistorischen Feuilleton", Prag 1851
  2. Hoffmann, Carl:"Das Buch der Welt, ein Inbegriff des Wissenswürdigsten und Unterhaltendsten aus den Gebieten der Naturgeschichte, Naturlehre, Länder- und Völkerkunde, Weltgeschichte, Götterlehre u.", Hoffmann`sche Verlags-Buchhandlung, Stuttgart 1851