M. Winterhalder & Hofmeier

Zu den bekanntesten Uhrenfirmen im Schwarzwald zählt die Uhrenfabrik M. Winterhalder & Hofmeier. Sie ist benannt nach den zwei Uhrmachern Mathä Winterhalder aus Friedenweiler und Johann Hofmeier aus Schwärzenbach. Das Gründungsjahr ist nach bis jetzt bekannter Quellenlage 1864. (Quelle 4, S. 511) Mathä Winterhalder starb bereits 1863. In der Sekundärliteratur wird als Gründungsjahr oft um 1850 angegeben:

  1. "Etwa im Jahr 1850 schloß sich Matthäus Winterhalder mit einem Verwandten, Johannes Hofmeier (1802-1876), der auch eine eigene Uhrenwerkstätte in der Nachbargemeinde Schwärzenbach hatte, zum Ausbau des Geschäftes zusammen." (Quelle 1, S. 141) 
  2. "1850 gründeten die beiden zusammen die Uhrenfirma M. Winterhalder & Hofmeier (in Friedenweiler, Schwärzenbach und später Neustadt)." (Quelle 1, S.136)
  3. "Etwa um 1850 muss es gewesen sein, daß die beiden sich zur Firma M. Winterhalder und Hofmeier zusammentaten, denn die ältesten mit W&H gezeichneten Uhren gehören etwa in diese Zeit." (Quelle 2, S. 55)
  4. " Die Fa. Winterhalder und Hofmeier (W&H) in Friedenweiler und Schwärzenbach hat sich seit der Gründung um 1850 vor allem für die Herstellung von Uhren nach englischen Vorbildern einen Namen gemacht." (Quelle 3, S. 343)

Die Quellenlage für die Annahme der Gründung der Firma M. Winterhalder & Hofmeier in den 1850ger Jahren ist bis jetzt nicht nachvollziehbar.


Eine Kastenuhr aus Schwärzenbach

Winterhalder und Hofmeier haben sich seit ihrer Gründung wie wohl kaum eine andere Uhrenfabrik aus dem Schwarzwald auf den englischen Markt spezialisiert. Dial Clocks, Drop Dials, Alarm Clocks usw. sind den englischen Uhren nachempfunden um nicht zu sagen kopiert worden. Die hier vorgestellte Kastenuhr findet kein Vorbild auf den Kanalinseln. Sie entspricht dem typischen Geschmack von Kontinentaleuropa wie Bayern, Österreich, Schweiz, Preußen usw.. Obwohl sich Winterhalder und Hofmeier im Laufe der Zeit andere Märkte, auch außerhalb Europas, erschossen haben, blieb der Englische der Wichtigste.

 

Maße

Höhe: 36 cm

Breite: 21,5 cm

Tiefe: 12 cm

 

technische Details:

Massivanker, feststehende Federhäuser, Wecker, Gangdauer 1 Tag, Laternentriebe

 

Bemerkung: Pendelfeder abgerissen, Stellungstrieb am Schlagwerk fehlt


Winterhalder und Hofmeier: Dial Clock

 Dial Clock, Winterhalder & Hofmeier
Dial Clock, Winterhalder & Hofmeier

Die eingeschlagene Zahl 34667 lässt schon vermuten, dass Winterhalder & Hofmeier diese Uhrwerke in großer Stückzahl anfertigte. Es ist das speziell für die Britische Inseln ausgelegte Werk das in seinem Aufbau und der Gestalltung manchem Englischen Uhrwerk aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr ähnlich sieht. Verbaut ist es oft in den Dial Clocks mit ihrem runden Holzrahmen und verglastem Zifferblatt. Auf dem Uhrwerk hat sich im Laufe der Zeit eine gleichmäßige, schokobraune Patina gebildet. Die unterschiedliche Korrosionsfarben können von den leicht veränderten Legierungsbestandteilen oder im Herstellungsverfahren ihre Ursache haben.

Laufdauer 8 Tage

Größe der Platinen: 144,2mm x 104,6mm

Durchmesser: 46 cm

Englisches Uhrwerk zum Vergleich

Englisches Uhrwerk, Wiliam A. Sainsbury,  London 1894
Englisches Uhrwerk, Wiliam A. Sainsbury, London 1894

Wie nahe sich die Schwarzwälder Uhrmacher, hier nun speziell die Firma Winterhalder und Hofmeier herausgegriffen, an die englischen Konstruktionen für Federzugsuhrwerke hielten, soll dieses Uhrwerk veranschaulichen. Das Besondere an diesem Werk ist sicherlich die Signatur die uns die Herkunft und die Entstehungszeit verrät: Uhrmacher Willliam A. Sainsbury, London Windsor Street, Essex Road, 18. Dezember 1894. (Quelle 8, S. 681). Die Kette ist ergänzt und gehört nicht zu diesem Uhrwerk.

 


Cottage clock aus dem Schwarzwald

Die einfache Cottage Clock ohne Wecker oder Schlagwerk soll das Spektrum der hier vorgestellten Uhren von Winterhalder & Hofmeier ergänzen. Auf der Rückwand ist vermerkt, dass die Firma Mayer, Mader & Co. in London am Bloomsbury sQuare diese Uhr im November 1878 verkaufte. Das Holzgehäuse ist geschwärzt, man sagt auch gerne: ebonisiert dazu, und auf Hochglanz poliert. Das polygone Zifferblatt wird von einer aus Zinn eingelegten Pflanzenranke unterstrichen.

 


Eine Frühe Drop Dial Clock von Winterhalder & HOfmeier

M. Winterhalder & Hofmeier, Drop Dial Clock
M. Winterhalder & Hofmeier, Drop Dial Clock

Für die frühe Produktion spricht bei dieser Uhr das noch verbaute Lackschildzifferblatt und das Uhrwerk mit Holzplatinen. Die Entstehungszeit dürfte um 1870 liegen. Das Uhrwerk zeigt eine konstruktive Abweichung vom üblichen. Anstatt eines Hebnägelrad wurde auf das Zwischenrad ein Hebstern aufgepresst. Das Werk ist bezeichnet mit Nr. 9. Bei diesem Werktyp ist kein Ausgleichsmechanismus wie die Stellung oder eine Schnecke eingebaut um die unterschiedliche Federkraft beim Ablaufen des Uhrwerkes zu begrenzen (Stellung) oder auszugleichen (Schnecke). Der Stundenschlag erfolgt auf eine Bronzeglocke. Direkt nach den Fotos zu dieser Uhr wird das gleiche Uhrwerk von Winterhalder & Hofmeier mit Schlag auf Tonferder zum Vergleich vorgestellt.

Händlersignatur: M. Z. Birhley & Co.

Maße: 

Höhe: 740mm

Breite: 430mm

Tiefe: 160mm

8 Tage Werk mit Schlag auf Tonfeder

Winterhalder & Hofmeier, 8 Tage Uhrwerk mit Holzplatinen und Schlag auf Tonfeder
Winterhalder & Hofmeier, 8 Tage Uhrwerk mit Holzplatinen und Schlag auf Tonfeder

Für den technisch interessierten will ich an dieser Stelle nach dem Holzplatinenwerk mit Schlag auf Glocke auch die Variante mit Schlag auf Tonfeder vorstellen. Die Uhr selber ist vom Uhrenhändler Camerer, Kuss & Co. 522, Oxford St. London 1876 verkauft worden. Eine Signatur von Winterhalter und Hofmeier findet sich nicht, weder am Uhrengehäuse noch am Uhrwerk. Bei Zuschreibungen bin ich immer mehr als vorsichtig. Durch die fotographische Dokumentation beider Werke kann jeder selber entscheiden. Ich will nicht ausschließen, dass in Langenordnach oder Schwärzenbach noch ein Uhrmacher ansässig war der gleiche Uhrwerke gebaut hat. Durch die Datierung 1876 fallen aber schon mal die Vorläufer der Firma: Mathä Winterhalder und Josef Hofmeier aus. Beide Uhren wurden für den Englischen Markt gefertigt. Die Uhr selber wird auf der Seite zu Camerer, Kuss & Co. vorgestellt. Das Räderwerk des Gehwerkes der beiden Uhren muss sich bei allen Gemeinsamkeiten unterscheiden, da die Drop Dial Clock mit Schlag auf Glock in ihrem deutlich größerem Gehäuse ein fast doppelt so langes Pendel hat. Die Zähne der Räder sind noch nicht ausgezählt.

 

 

Uhrwerk mit Schlag auf Tonfeder Maße:

Breite: 136mm

Höhe: 185mm

Tiefe: 94mm

Länge der Pendelfeder: 117mm

Gesammtlänge des Pendels: 160mm

Uhrwerk mit Schlag auf Glocke Maße:

Breite: 135mm

Höhe: 182mm

Tiefe: 95mm

Länge der Pendelfeder: 118mm

Gesammtlänge des Pendels: 300mm



Hans Winterhalder Neustadt

Standuhrwerk der Hausuhrenfabrik Winterhalder KG Neustadt
Standuhrwerk der Hausuhrenfabrik Winterhalder KG Neustadt

"Hans Winterhalder schied mit dem väterlichen Betrieb Johannes Winterhalder zum 01.06.1919 als Teilhaber aus dem Firmenverbund Winterhalder & Hofmeier aus. Er nannte den Betrieb zuerst "Hausuhrenfabrik Winterhalder KG" ..." (Quelle 7, S 606) "Am 11. April 1925 gründete Hans Winterhalder die Uhrenfabrik HAWINA, Hans Winterhalder AG, und schied aus der Gesamtfirma Winterhalder & Hofmeier aus." (Quelle 6, S. 231). 1929 wurde die Firma an Junghans verkauft. Das hier vorgestellte Standuhrwerk, mit Viertelschlag und massivem Anker, besticht durch seinen enormen Materialeinsatz. Der ehemalige Besitzer J. Pfaff hat auf der Vorderseite seinen Namen eingraviert.

 

Maße:

Breite: 23cm

Höhe: 17cm (Platine)

Tiefe: 22cm

Gewicht: 4kg +Xkg

Notgeldscheine der Hausuhrenfabrik Winterhalder K.G. Neustadt, November 1923
Notgeldscheine der Hausuhrenfabrik Winterhalder K.G. Neustadt, November 1923

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren für viele Uhrenfirmen vom langsamen Niedergang geprägt. Dazu zählte auch die Hausuhrenfabrik Winterhalder K. G.. Auf dem Foto sind zwei Notgeldscheine aus der Hyperinflationszeit 9. November und 13. November 1923 der Hausuhrenfabrik Winterhalter zu sehen.


Die Vorlage für den Schwarzwald: Das Englische Federzugwerk mit Schneck und Kette

Schwarzwälder Hochzeitsuhr (Drop Dial Clock, England 19. Jahrhundert)
Schwarzwälder Hochzeitsuhr (Drop Dial Clock, England 19. Jahrhundert)

Die Schwarzwälder Uhrmacher orientierten sich bei der Gestalltung der Uhren an den Vorlieben der jeweiligen Handelsplätzen. An dieser Stelle sei ergänzend diese Englische Drop Dial Clock vorgestellt. Sie ist die Hochzeitsuhr von Joseph Winterhalder und Berta Bernhart.

 

"Fürderer [...] erzählte: Oberle, Johann W's Reisender, sei nach Manchester gegangen und hätte von dort ein Muster von den englischen Uhren mitgebracht. Von da ab sei der Aufschwung der Firma Winterhalder & Hofmeyer gekommen." (Quelle 5, S.221)

Emil Fürderer (1860-1941) war Buchalter bei Winterhalder&Hofmeier und Uhrenhändler Adolf Oberle (1846-1927) war Geschäftsreisende der ersten Winterhalderfabrik in England und Irland.

Diese Uhr hat sich in Hammereisenbach erhalten und ist ein Beleg für den Bericht Emil Fürderers, dass im 19. Jahrhundert englische Uhren in den Schwarzwald gebracht wurden.


Cottage clock mit Wecker

Signatur Winderhalder & Hofmeier, Schwärzenbach
Signatur Winderhalder & Hofmeier, Schwärzenbach

Ein unsigniertes Holzplatinenwerk in einer Cottage Clock, immer rechts auf den Fotos, lässt beim Vergleich mit einem signierten Messingwerk von Winterhalder & Hofmeier, immer links auf den Fotos, die Vermutung reifen, dass das verbaute Holzplatinenwerk ebenfalls von Winterhalder & Hofmeier stammen könnte. Die Maße und Zähnezahlen müssen noch verglichen werden. Vielleicht findet sich auch ein signiertes Holzplatinenwerk das die Vermutung stützt oder wiederlegt. Die Cottage Clock in der rechten Spalte wird unter den Uhrenhändlern "Camerer & Kuss" näher beschrieben. Sie hat ein Verkaufsvermerk von 1877 auf der Rückwandinnenseite. Die Uhr mit den Messingplatinen dürfte um 1870 bis 1900 entstanden sein.

Signaturvariante von W&H SCH.

Detailfoto Signatur W&H  mit dem Zusatzbuchstaben H
Detailfoto Signatur W&H mit dem Zusatzbuchstaben H

Das gleiche Uhrwerk von Winterhalder und Hofmeier gibt es auch mit einer Sigaturvariante. Dabei ist zusätzlich zu den Kürzeln W.&H. Sch. statt dem großen K ein großes H eingeschlagen. Wofür die beiden Buchstaben K und H stehen ist noch offen.


Quellen:

  1. "In die neue Zeit, die Geschichte der Uhrmacherei in der Region Neustadt im Schwarzwald"; Arbeitskreis Neustädter Uhren 1999
  2. Winterhalder, Christoph P. :"Aus der Geschichte einer Schwarzwälder Uhrmacherfamilie, Die Neustädter Winterhalder"; 1959
  3. Schneider, Wilhelm:"Beha-Uhren"; Aumüller Druck, Regensburg 2011
  4. "Wiener Weltaustellung - Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches"; Druck der königlichen geheimen Ober-Hofbuchdruckerei; Berlin 1873
  5. Pfarrer I. R. Walter Göbel: "Chronik und Famileingeschichte von Neustadt (Schwarzwald)"; Neustadt (Schwarzwald) 1951
  6. Bender Gerd:"Die Uhrenmacher des hohen Schwarzwaldes und ihre Werke, Band II"; Verlag Müller, Villingen/Schwarzwald 1978
  7. Schmid, Hans-Heinrich:"Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850-1980";Schwenningen 2005
  8. Loomes, Brian:"Watchmakers and Clockmakers of the World, Complete 21st century Edition", 2006