Gordien Hettich Sohn Furtwangen

Die Firma Gordian Hettich Sohn gehöhrte zu den bedeutendsten Uhrenfirmen in Furtwangen im Schwarzald. Der Begründer des Unternehmens selbst war Gordian Hettich (1825-1900), der für Furtwangen eine herausragende Persönlichkeit darstellte. Das von der Firma in den Werbeanzeigen selbst genannte Gründungsjahr 1836 lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Gordian Hettichs Sohn Herrmann hat die Uhrenproduktion übernommen und 1881 wurde der Firmenname Gordian Hettich Sohn erstmals in einem Bericht zur Weltausstellung 1881 in Melbourne erwähnt, als die Firma einen Ehrenpreis 3. Klasse für Kuckuck-, Trompeter- und Spieluhren erhielt. Die Lebensdaten von Herrmann Hettich konnte ich bis jetzt noch nicht ausfindig machen. 1902 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. Neuer Inhaber war nun Max Roder der den Namen Gordian Hettich Sohn aber beibehielt. 1909 sind 20-25 Uhrmacher, Schreiner, Holzbildhauer, Hilfarbeiter und noch einmal so viele Heimarbeiter bei der Firma beschäftigt. Nach dem Auflösen der Firma ging 1920 das Fabrikgebäude in den Besitz der Aktiengesellschaft Furtwängler über.


Handel mit dem Osmanischen Reich

Die Handelsbeziehungen der Schwarzwälder Uhrenhändler und Firmen mit anderen Ländern sind nicht immer so reich dokumentiert wie z.B. mit England oder Frankreich. Diese zwei leeren Briefhüllen, adressiert an Gordian Hettich Sohn in Furtwangen, die eine in Smyrna 1905 und die andere in Constantinopel 1906 abgestempelt, sind kleine Belege für diesen weltweiten Handel.


Die Schwarzwälder Uhrmacherwerkstatt

Uhrmacherwerkstatt, Schaufensterautomat von Gordian Hettich Sohn Furtwangen 1913

Ein Schaufensterautomat der Furtwanger Uhrenfabrik Gordian Hettich Sohn um 1913.

In einem Schwarzwaldhaus befindet sich die Uhrmacherwerkstatt in der vier Uhrmacher werkeln während vor dem Haus ein Uhrenträger mit den Uhren ins Land zieht um sie zu verkaufen. Ab der Mitte des 19. Jh. wurden solche Schaufensterautomaten von den unterschiedlichsten Schwarzwälder Uhrmacherfirmen vermehrt produziert. Die Automaten wurden in einer großen Bandbreite mit unterschiedlichsten Figuren ausgestattet: Knödelesser, Scherenschleifer, Trinker und Näherinnen um nur mal einige zu nennen. Die Uhrmacherwerkstatt wird bereits mit einem Elektromotor betrieben, konnte aber auch mit einem Heissluftmotor bestellt werden. Dadurch war es möglich das Schaufensterstück den ganzen Tag ununterbrochen laufen zu lassen. Federbetriebene mussten immer wieder aufgezogen werden, waren dafür aber auch meist mit einer Zeitanzeige versehen.

 

 


Video der Uhrmacherwerkstatt


Zeitgenössische Beschreibung des Schaufensterstückes

Schwarzwälder Uhrmacherwerkstatt aus: Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst, 1913
aus: "Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst" 1913 (Quelle 1)

"Das in jeder Weise fein gearbeitete Gehäuse stellt ein altes Schwarzwaldhaus mit Schindeldach und im Innern eine nach vorn offene Uhrmacherwerkstatt dar: In dieser sind vier verschiedene bewegliche Schwarzwälder Uhrmacher fleissig an der Arbeit sichtbar, der eine an der Drehbank, die übrigen vorn am Werktisch, "..." Die Figuren sind sämtlich mit künstlerisch ausgeführten Charakterköpfen von Hand gearbeitet und in verschiedenen Farben bemalt, wodurch eine äusserst wirkungsvolle lebensware Gruppe entstanden ist. "..." Der durchaus solid konstruierte Mechanismus wird durch einen kleinen Elektromotor angetrieben; die im Hintergrund sichtbaren Fenster sind durch eine elektrische Glühlampe erleuchtet, so dass eine Lichtwirkung erzielt wird, als scheine die Sonne hinein." 

aus: Allgemeines Journal der Uhrmacherkunst (1913) Nr.19 und Nr.20


Die Großherzogliche Schnitzereischule Furtwangen

Großherzogliche Schnitzereischule Furtwangen Meisterkurs 1908

Von Emil Schulz, der 1912 die Fabrik Gordian Hettich Sohn besuchte und darüber einen Bericht im Allgemeinen Journal der Uhrmacherkunst veröffentlichte, wissen wir, dass die Firma eng mit der Großherzoglichen Schnitzereischule Furtwangen zusammen arbeitete und nach deren Entwürfe, künstlerisch ausgeführte Kuckucksuhren herstellte. Neben der Uhrmacherwerkstatt hat Gordian Hettich Sohn immer wieder Kuckucksuhren und Schaufensterautomaten auf den Markt gebracht, welche durch die ausergewöhnliche Qualität der Schnitzereien herausragten. 

Großherzogliche Schnitzereischule Furtwangen Meisterkurs 1908

Quellen:

  1. "Allgemeines Jounal der Uhrmacherkunst"; Organ des Zentralverbandes der Deutschen Uhrmacher-Innung und Vereine, EV (Sitz: Halle a.S.); 38. Jahrgang 1913, Nr. 20;  Druck und Verlag Wilhelm Knapp 1913; Seite: 319
  2. "Furtwangen 1873-1948, Beiträge zur Geschichte einer Stadt im Schwarzwald, Band 2"; Furtwangen, August 2009