Die Uhrmacherschule  in Furtwangen

Postkate der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen (gelaufen: 11. Dez. 1909)
Postkate der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen (gelaufen: 11. Dez. 1909)

1850 wurde die Uhrmacherschule in Furtwangen eröffnet. Neben Furtwangen waren Triberg, Vöhrenbach und Neustadt weitere Kandidaten für den Standort. "Die Uhrenmacherschule hat den allgemeinen Zweck, die Uhrenmacherei des Schwarzwaldes und die damit zusammenhängenden Gewerbe zu heben." (Quelle 1, S.5). Auf dieser Seite gebe ich einen Überblick über die lange Geschichte und das Wirken der Furtwanger Uhrmacherschule.

Die Webseite ist chronologisch geordnet und unterteilt sich in die zeitlichen Abschnitte:

  • Die Uhrmacherschule in Furtwangen 1850-1864
  • Die Uhrmacherschule in Furtwangen 1877-1919
  • Die Uhrmacherschule in Furtwangen 1919-1945
  • Die Uhrmacherschule nach 1945

die Uhrmacherschule in Furtwangen 1850-1864

Schwarzwälder Gewichtsuhren, Beilage aus dem Gewerbeblatt für den Schwarzwald 1853
Schwarzwälder Gewichtsuhren, Beilage aus dem Gewerbeblatt für den Schwarzwald 1853
  • 1850: Ende März nahm die  Großherzoglich Badische Uhrmacherschule Furtwangen ihren Betrieb in vollem Umfang auf. Erster Direktor war Robert Gerwig (Ingeniur und Baurat). Ab 1852 wird das "Gewerbeblatt für den Schwarzwald" heraus gebracht.
  • 1857: Gewerbelehrer Karl Fräßle wurde Nachfolger von Direktor Robert Gerwig (Ingenieur und Baurat)
  • 1864: zum Ende des Jahres wurde die Uhrmacherschule aufgehoben

I. Vorstände

  • Gerwig Robert, Direktor, Ingenieur und Baurat (1850-1857)
  • Fräßle Karl, Vorstand, Gewerbelehrer (1857-1863)

II. Lehrer

  • Fräßle Karl, Gewerbelehrer (1850-1857)
  • Meyerhuber Karl, Zeichenlehrer (1850-1862)
  • Lamy, Lehrer für Sprachen und kaufmännische Fächer (1850-1858)
  • Flammger, Hauptlehrer für Taschenuhrmacherei (1850-1854)
  • Spiegehalter, Lehrer für Tachenuhrmacherei (1850-1854)
  • Bob Lorenz, Hauptlehrer für Stockuhrmacherei (1850-1863)
  • Schirrman, Lehrer für Stockuhrmacherei (1851-1854)
  • Höfler F., Lehrer für Tachenuhrmacheri (1853-1857)
  • Martens J.H., Hauptlehrer für Taschenuhrmacheri (1858-1860)
  • Müller R. Chr., Lehrer für Tachenuhrmacheri (1858-1860)
  • Schöchlin Fr., Lehrer für Taschenuhrmacheri (1860-1863)

(aus Quelle 2)

Gewerbeblatt für den Schwarzwald (1852-1854)

"Wir haben nicht nothwendig, viele Worte darüber zu verlieren, wie dringendes Bedürfniß es sei, dem Schwarzwald, namentlich dem uhrenmachenden, ein Gewerbeblatt zu bieten, das, sich mitten unter die Gewerbtreibenen stellend, nicht aus Büchern oder abgerissenen Beiträgen seinen Stoff sammelt, sondern stets sich im Leben des Gewerbes bewergt, seine Bedürfnisse bespricht, die Beseitigung von Mißständen anregt und zum zeitgemäßen Fortschritt auffordert." (Quelle 1, S.1)

Dieses Gewerbeblatt zählt zu den bedeutendsten Quellen für die schwarzwälder Uhrmacherei des 19. Jh.. Herausgebeben von der Uhrmacherschule Furtwangen hatte die Redaktion inne der Direktor der Uhrmacherschule Furtwangen: Robert Gerwig. Die Jahrgänge 1852-1854 sind hier zum Studium zur Verfügung gestellt. Mit einem Klick auf die Titelseite gelangt man zur Fotogalerie.

Gewerbeblatt für den Schwarzwald

I. Jahrgang 1852

Gewerbeblatt für den Schwarzwald

II. Jahrgang 1853

Gewerbeblatt für den Schwarzwald

III. Jahrgang 1854

Beilagen I bis VIII des Gewerbeblattes


Karl Lamy, Lehrer an der Uhrmacherschule

Briefkopf von Lamy & Haller, Furtwangen 1857
Briefkopf von Lamy & Haller, Furtwangen 1857

Von den ersten Lehrern der Uhrmacherschule sind einige bekannter und andere eher unbekannt. Zu den eher Unbekannten zählt der Lehrer für Sprachen und Kaufmännische Fächer: Karl Lamy (1850-1862). Neben der Tätigkeit an der Uhrmacherschule betreibt er zusammen mit Christian Haller in Furtwangen ein Commissionsbureau. In der Fotogalerie befinden sich drei Briefvorderseiten des Commisionsbureau Lamy & Haller und gegen später Lamy & Cie.


Die Uhrmacherschule in Furtwangen 1877-1919

Postkate der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen mit dem 1891 fertiggestellen neuen Schulgebäude (gelaufen 24.01.1898)
Postkate der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen mit dem 1891 fertiggestellen neuen Schulgebäude (gelaufen 24.01.1898)
  • 1874: Der Gewerbeverein Furtwagen errichtet die Gewerbehalle. In ihr sind die Filiale der Landesgewerbehalle mit ihren Sammlungen und die Gewerbeschule untergebracht.
  • 1. Juli 1877: Eröffnung der neu errichteten Uhrmacherschule unter dem Vorstand Schneider (Maschineningenieur). Die Lehrräume befanden sich, wie auch die der ebefalls neu gegründeten Schnitzereischule, in der Gewerbehalle Furtwangen
  • 1883 Errichtung eines neuen Schulgebäudes gegenüber der Gewerbehalle. Im unteren Stockwerk wurden die Lehrwerkstätten der Uhrmacherschule eingerichtet.
  • 1891: Bezug des neuen Schulgebäudes für die Uhrmacher. Dieses Gebäude ist auf der Postkarte zu sehen. Ab jetzt wurde auch Elektrotechnik unterrichtet.

Gangmodell mit "freiem Spitzzahnankergang" der Uhrmacherschule Furtwangen

Gangmodell "Freier Spitzzahnankergang", Uhrmacherschule Furtwangen, um 1900
Gangmodell "Freier Spitzzahnankergang", Uhrmacherschule Furtwangen, um 1900

Das von einem Schüler angefertigte Gangmodell kommt im Gegensatz zu vielen Gangmodellen mit übergroßen Unruhen und Spiralfedern eher schlicht daher aber es ist auch mehr als nur ein Gangmodell. Mit der langen Zeiger- und Aufzugswelle ist es fast schon ein fertiges Uhrwerk. 

 

Maße:

Durchmesser Sockel: 18cm

Durchmesser Platine: 8,3 cm

Höhe (mit Glashaube):  11cm

 

Musteruhrwerk von Lorenz Furtwängler

Musteruhrwerk für die Uhrmacherschule Furtwangen, Lorenz Furtwängler, um 1900
Musteruhrwerk für die Uhrmacherschule Furtwangen, Lorenz Furtwängler, um 1900

Die Uhrmacherschule hat mit einigen Firmen des uhrenmachenden Schwarzwaldes eng zusammengearbeitet. In den Anfangsjahren der Uhrmacherschule waren das die Firmen von Hauser, Bob und Furtwängler. Lorenz Furtwängler hat in den frühen 1850iger Jahren Musteruhrwerke für die Uhrmacherschule angefertigt aber auch immer wieder Uhrwerke der eigenen Produktion an die Uhrmacherschule und die Gewerbehalle Furtwangen abgegeben. Ein solches Musteruhrwerk von Lorenz Furtwängler um 1900 ist auf dem Foto zu sehen. Die Musteruhrwerke wurden zum Zwecke der Ausstellung auf Sockeln montiert.

Bemerkung: es fehlen 8 Zahnräder darunter das Gangrad

Abschlussklasse der Uhrmacherschule Furtwangen 1912

Abschlussklasse der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen 1912
Abschlussklasse der Großherzoglichen Uhrmacherschule Furtwangen 1912

"Einen letzten Gruß aus Furtwangen" sendete der Schüler der Abschlussklasse Otto Gnirs 1912 mit dieser Fotopostkarte in seine Heimat. Um die Personengruppe aus Schülern und Lehrer sind besonders große Gang- und Lehrmodelle der Uhrmacherschule arrangiert.


Die Uhrmacherschule in Furtwangen 1919-1945

Briefhülle der Staatlichen Uhrmacherschule Furtwangen (Baden) vom 14.03.1923
Briefhülle der Staatlichen Uhrmacherschule Furtwangen (Baden) vom 14.03.1923

1918 wurde Baden eine Republik. Nun nennt sich die Uhrmacherschule Furtwangen: Staatliche Uhrmacherschule Furtwangen (Bad.). Die abgebildete Briefhülle der Uhrmacherschule mit den zahlreichen Freimarken vom 14. März zeigt schon die hohe Inflation im Frühjahr 1923.

Mondphasengetriebe, Uhrmacherschule Futwangen um 1919

Mondphasengetriebe, Uhrmacherschule Furtwangen, um 1919
Mondphasengetriebe, Uhrmacherschule Furtwangen, um 1919

In den verschiedenen "Kursen", heute würde man wohl Lehrjahre sagen, wurden von den Lehrlingen der Uhrmacherschule Werkzeuge, Messwerkzeuge, Gang- und Getriebemodelle angefertigt. Zu einem der auch optisch sehr ansprechenden Getriebemodellen gehört dieses Mondphasengetriebe. Das obere, kleinere Zifferblatt zeigt zwei mal zwölf Stunden, das untere das Mondalter in Tagen und die Mondphasen. Neumond ist oben bei ca. 29,5 Tagen, Vollmond gegenüber bei ca. 14,75 Tagen. Die Platinen und das Räderwerk sind vergoldet, die Zifferblätter versilbert. Zu den Besonderheiten zählt das verbaute Differentialgetriebe.

 

Maße:

Höhe: 20,5 cm

Breite: 14,5

Tiefe: 6 cm

Uhrmacherschule Furtwangen, Gruppenfoto des Kurs III, 1922
Uhrmacherschule Furtwangen, Gruppenfoto des Kurs III, 1922

Die bis jetzt älteste Datierungsquelle des Mondphasengetriebes ist das Kurs III Gruppenfoto

der Uhrmacherschule Furtwangen von 1922. Das Origialfoto ist im Privatbesitz und wurde freundlicherweise für die Reproduktion und die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Gangmodelle der Uhrmacherschule Furtwangen

Gangmodelle der Uhrmacherschule Furtwangen, um 1925
Gangmodelle der Uhrmacherschule Furtwangen, um 1925

In den 1920ger Jahren haben die Gangmodelle, die von den Lehrlingen der Uhrmacherschule Furtwangen angefertigt wurden, ihre eigene Formensprache. Eingebaut in zylindrischen Kapseln und von einer Glasscheibe geschützt ist alles was den Blick auf die Hemmung verdecken oder ablenken könnte in den Kapseln verborgen. Dadurch erreichen diese Gangmodelle, dem Zeitgeist entsprechend, klare Formen ohne Schnökel und Verzierung. Auf dem Foto zu sehen sind von links nach rechts: Chronometerhemmung mit Wippe, freier Spitzzahnankergang, Freier Kolbenzahnankergang. Jeder Uhrmacherschüler hat sein Gangmodell individuell ausgestattet. Auf dem Foto gut zu erkennen, das linke und das mittlere Gangmodell sind lackiert während das rechts hinten vergoldet wurde.

Maße:

Durchmesser: 7 cm

Höhe: 2,7 cm

 

 

Wer sich noch genauer über die Gangmodelle informieren möchte, der kann auf das Bildchen mit der Hemmung klicken und gelangt zur Restaurierungsseite "Gangmodell". Dort werden die Gangmodelle einzeln vorgestellt.

Filmchen zu den Gangmodellen

Die Filmchen sind noch nicht alle fertig gestellt, werden aber zeitnah nach deren Fertigstellung hier veröffentlicht. Ziel ist es alle drei Gangmodelle in Aktion zu zeigen.


Die Uhrmacherschule in Furtwangen nach 1945

Staatliche Berufsfachschule Furtwangen, Tischuhr, Lehrlingsarbeit 1957
Staatliche Berufsfachschule Furtwangen, Tischuhr, Lehrlingsarbeit 1957

Im dritten Lehrjahr fertigte 1957 ein Lehrling der Feinwerktechnik an der nun Staatlichen Berufsfachschule Furtwangen diese Tischuhr an. Das Uhrengehäuse besorgte ein Furtwanger Schreiner. Die Einzelteile des Uhrwerkes wurden aus dem Vollen herausgearbeitet und abschließend lackiert. Die Lehrwerkstätten befanden sich zu dieser Zeit im ersten Stock des 1891 fertiggestellten Uhrmacherschulgebäudes.

 

Vielen Dank dem Eigentümer, dem ehemaligen Lehrling, für die Einwilligung seine Arbeit hier zeigen zu dürfen.


Quellen

  1. Gerwig, Robert:"Gewerbeblatt für den Schwarzwald"; Furtwangen 1852
  2. Schumacher Friedrich:"1850 - 1925 Festschrift zur Feier des 75 jährigen Bestehens der Badischen Uhrmacherschule Furtwangen"; Gedruckt bei W. Rirchberg G.m.b.H. Furtwangen 1925